SA 19.06. 20:00 Uhr
Performance

deep net fake hole dark rabbit

von Caroline Creutzburg
Uraufführung Künstlerhaus Mousonturm (Saal / Bau)
Eine Koproduktion des Künstlerhaus Mousonturm

Karten Vorverkauf ab 18.06.www.mousonturm.de, Solidarisches Preissystem (frei wählbar): € 10 / € 20 / € 40 / € 60 (Doppelloge für bis zu 2 Personen)
→ Weitere Vorstellungen: SO 20.06., MO 21.06., DI 22.06., MI 23.06. jeweils 20:00 Uhr

Eine Koproduktion des Künstlerhaus Mousonturm.

“What is this numb thing, this knowledge? Why does it split us off from the world every day? Why does everything change all the time?” In her works Caroline Creutzburg questions the repercussions for the stage of various configurations of the communication and entertainment media. Her new Listening-Performance conceived for the Mousonturm Bau tackles the archaeology of being online. She looks at the Internet as a site of orientation and of missing out, of connecting and disconnecting. With the help of her dispersed Internet exchange point audience she inspects technical and mental links and tests the stimulus-response reactions of the gathered numb brains.


Kommentar

Es ist 2020, 29 Jahre ist es her, dass die erste Internetseite veröffentlicht wurde – das war am 6. August 1991, durch die Europäische Organisation für Kernforschung CERN in Genf. 1993 gab es mit ALIWEB die erste Suchmaschine, mit Doctor Fun das erste Webcomic, mit dem Trojan Room Coffee Pot die erste Webcam und Pizza Hut bot 1994 den ersten Pizza-Online-Bestellservice an. Es ist 2020 und unsere Bildschirme sind – wenn auch immer noch materiell verfasst – extrem dünn, bisweilen randlos und demnächst biegsam.

Das Gateway ins Internet ist als solches kaum noch zu erkennen, die Schnittstelle als Ort löst sich auf. Je virtueller und magischer unsere Technik, desto weniger deutlich erkennen wir ihr Innenleben. Sich an dieser Schnittstelle zu befinden, ist ein spezielles mysteriöses Verhältnis zwischen mir selbst und diesem Medium, ein spezieller mentaler Zustand des (Un)Wissens. Heute habe ich das Gefühl, die Entwicklung dieser immer dichter werdenden Schicht unsers vernetzten Lebens nicht nur verpasst zu haben, sondern auch weiterhin zu verpassen, obwohl sie doch in meiner Gegenwart passiert. Wie kann es sein, dass eine Technologie, die mich als Userin-Subjekt überhaupt erst hervorgebracht hat, so ein Gefühl des Abhandenkommens auslöst?

Aber statt sich dystopischen Narrationen über kapitalorientierte Social Media hinzugeben, wäre es doch an der Zeit, einen Spürsinn für das www als kulturellen Raum zu rekonstruieren und die eigene Beteiligung an diesem, auch wenn sie noch so klein ist, in Angriff zu nehmen. Es ist eine reichhaltige Aktivität, deren Dynamiken man als knapper non-digital-native aber erstmal durchsteigen muss. Diese reicht von Forenbeiträgen zu trivialen Spezialthemen über user-generated video content und Memes bis hin zu elaborierter Netzkunst und Hacktivismus. "deep net fake hole dark rabbit" ist kein screen time limiter, im Gegenteil: die Strategie dieser Arbeit ist ‚crawling the web‘, um sich tiefer drin im Loch, unter den normierten Oberflächen, möglichst zu verlaufen.

Das Publikum wird gebeten, das eigene internetfähige Mobiltelefon mit aufgeladenem Akku mitzubringen.


Besetzung

Konzept, künstlerische Leitung, Hosting: Caroline Creutzburg

Dramaturgie: Eva Königshofen

Objekte: Clara Reiner

Künstlerische Produktionsleitung: Carmen Salinas


Vita

Caroline Creutzburg ist geboren in Berlin, studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen und lebt und arbeitet in Berlin und Frankfurt. Sie initiiert eigene Bühnen-Projekte, bei denen sie immer wieder mögliche Konstellationen der Zusammenarbeit befragt. Creutzburgs Arbeiten verfolgen ein beharrliches Interesse für gleichzeitig starke und durchlässige Rahmensetzungen. Im Bewusstsein darum wird ein Agieren der Performenden entwickelt, das um eine innere, vom Bühnenraum ausgehende Logik organisiert ist. Sie untersucht verschiedene Formen und Medialitäten von Kommunikation auf der Bühne sowie die darin enthaltenen Möglichkeiten figürlicher Selbstdarstellung und Verschiebungen von Subjektivitäten. Dabei begleitet sie stets die Frage nach dem vermeintlich Banalen, nach impliziten Formen der Adressierung und nach dem Emanzipatorischen im Zeigen und im Zuschauen.

Ihr Duo mit Objekt "Eine Pistole, ein Tanz, etwas aus Holz, das was kann" in Kollaboration mit Sophie Reble gewann den Jurypreis des 100° Festivals Berlin 2010. "Seid gastfreundlich gegeneinander ohne Murren" (2013) ist die Verzerrung der Figur des Showmasters. Die fünfköpfige Ensemble-Live-Radioshow "B Open" tourte im Rahmen des Freischwimmer Festivals 2014/15 im deutschsprachigen Raum. Mit "Nerve Collection" (2016), das bisher in Berlin, Gießen, Frankfurt, Mannheim, Hamburg, Brüssel, Amsterdam und München zu sehen war und den Jury-Preis des Körber Studio Junge Regie gewonnen hat, widmet sie sich dem Solo Format zu einer Bestandsaufnahme des Selbst. "WHAT ON EARTH" (2018) ist ein szenisch-auditives Erdoberflächenspektakel mit Chor und Geräuschen und wurde im Frankfurt LAB gezeigt. 2018 war sie artist-in-residence in der Meetfactory in Prag. Unter der Maßgabe What if NATURE wore drag? entwickelte sie 2019 zusammen mit Micha Goldberg, René Alejandro Huari Mateus, Catalina Insignares, Clara Reiner, Zrinka Užbinec und Zuzana Žabková die Ensemble-Performance "WOMAN WITH STONES", die in Frankfurt, Berlin und Stuttgart gezeigt wurde. Zuletzt realisierte sie eine Installation mit 3D-animierten Avataren, basierend auf Interviewmaterial mit Zeitzeug*innen und Erb*innen der DDR, die 2019 als "wabe[]ost" in den Sophiensaelen Premiere hatte und 2020 zum EINSZUEINS-Festival eingeladen war.

Caroline Creutzburg ist Trägerin des Ponto Performance Preises und Teil des Freischwimmen-Netzwerkes. Neben ihren eigenen Projekten kollaboriert sie im Bereich Kostüm, Raum und Licht in den Arbeiten ihrer Zeitgenoss*innen.


zur Übersicht