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»Leben erfinden – Über die Optimierung von Mensch und Natur«


Die vierten Frankfurter Positionen fragen nach den Quellen und Grenzen der Erneuerungs- Dynamik, mit der der Mensch derzeit sich und seine Umwelt in immer schnellerem Tempo neu erfindet. Offenbar richtet sich die menschliche Vorstellungskraft primär auf Optimierungsziele, die die Wirksamkeit materieller und geistiger Ressourcen permanent neu ordnen und steigern. Dieser Prozess ist im Zusammenspiel wissenschaftlicher Forschung, Technik und Ökonomie so erfolgreich, dass kein Stein auf dem anderen bleibt – bis hin zur Modifizierung der biologischen Grundausstattung des Lebens durch die Biowissenschaften. Was ist von dieser Optimierung zu halten?

  • Ist die permanente Neu-Konstruktion effizienterer Lebensformen unumgänglich, ohne Alternative, ist sie wünschenswert?
  • Vollziehen die Biowissenschaften derzeit einen qualitativen Sprung in der Gattungs und Naturgeschichte? Oder sind die sich abzeichnenden Möglichkeiten – mehr Lebenszeit, Aufhalten von Alterungsprozessen, Verbesserung des Erbguts, durch Genveränderung nützlichere Tiere, Pflanzen und Bakterien – nur die logische Fortsetzung langfristiger Fortschritte in Medizin sowie Tier- und Pflanzenzüchtung?
  • Drohen nicht in gleichem Maße, wie mittels biologischer Optimierung immer mehr (marktfähige) Bedürfnisse befriedigt werden, technokratische Kontrollraster sich zu verselbständigen, nicht quantifizierbare soziale Handlungsräume sich zu verengen und nicht funktionalisierbare geistige sowie soziale Energien zu veröden?
  • Und wenn offenbar der Mensch die Kraft zum Entwurf seiner selbst und der Welt hat: Was ist – jenseits der Erfolge effizienzsteigernder Vorstellungskraft – eigentlich aus der sozialen Phantasie geworden, der zweckfreien Imagination menschlicher Potentiale, individueller Lebensentwürfe und gesellschaftlicher Möglichkeitsfelder?

Viele Fragen, schwierige Antworten. Die Frankfurter Positionen 2008 sollen dazu dienen, die Frage nach den Dimensionen des Erfindens von Leben neu zu stellen und mittels neuer Werke in mehreren Sparten der Künste sowie begleitenden Lectures vielleicht auch Erkenntnisgewinne zu ermöglichen.
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